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Klassenfahrt der 10 KN nach Leipzig

Montag. 8:45 Uhr Morgens in Deutschland: Ab in den Osten

Schon die Zugfahrt begann mit allgemeiner Verwirrung, als der geplante Zug ausfiel und wir einen Ersatzzug der DB gestellt bekamen, der aber zur selben Zeit fuhr, sich im Endeffekt also fast nichts verändert hatte; lange Rede gar kein Sinn: Durch den Tausch verloren die Schüler ihre reservierten Plätze, mussten sich deswegen neue aussuchen, was dazu führte, dass der Großteil der Klasse Herrn Dennhardt in Waggon 1 folgte, ein trauriger Rest in Waggon 8 blieb und während der halben Fahrt über planlos dreinschaute.

Einmal die Straße vom Bahnhof – der zu einer zentralen Institution werden würde – aus überquert, wurden wir in unserem Hostel empfangen. Um die Wartezeit zu überbrücken, verlor sich die Klasse kurzerhand in der Leipziger Innenstadt, ohne Plan, ohne Vorwissen.

Als die Schüler der 10KN tröpfchenweise zurückkehrten, um ihre Zimmer zu beziehen, war der Tag der Ankunft auch schon fast wieder vorbei. Erste Eindrücke vom Abendessen spare ich mir hier einmal; zu sagen ist bloß, dass das Qualitätsgefälle zwischen Frühstück und Abendessen stets einer nahezu Senkrechten glich.

Dienstag.

Nachdem die Klasse am Montag einige chaotische Eindrücke über Leipzig gesammelt hatte, ging es am Dienstag viel mehr darum, all diese Eindrücke geordnet aufzuarbeiten und zwar mittels einer Stadtführung. Notiz am Rande: „Was wir gehen zu Fuß?“ drückte die herrschende Lethargie nicht einmal im Ansatz aus. Bei leicht regnerischem Wetter führte uns die Stadtführerin, erkenntlich durch ihre unauffällige rosa Kopfbedeckung, an sämtlichen (un)interessanten Punkten der Innenstadt vorbei, wobei die Anzahl der Denkmäler an die Wende 89/90 gar unendlich zu sein schien: Von einer Bildbetrachtung eines riesengroßen Bildes eines Leipziger Künstlers (Thema: Wende) bis hin zur Nikolaikirche, einem Goethedenkmal und vielen weiteren Plätzen, Häusern und Straßen bekamen wir die volle Dröhnung an Jahreszahlen und Wissen vermittelt. An der Oper angekommen, beendete die Stadtführerin ihren Ausflug mit den Worten: „Ihr kommt aus Braunschweig? Da hab ich auch mal gearbeitet."

Der Rest des Tages war reserviert für einen Museumsbesuch: zur Auswahl standen: z.B. das Museum für bildende Künste, die Museen im Grassi und das Buchdruck Museum in Begleitung von Herrn Dennhardt.

Mittwoch.

Das Völkerschlachtdenkmal (einheimisch auch Völki genannt) war als Ziel für den Mittwochmorgen angesetzt. Nach einer kurzen Bahnfahrt trieb man uns zu einem Gruppenfoto vor besagtem Denkmal und zu dessen Besteigung und manchen dabei zur Verzweiflung. Denn: Das Völkerschlachtdenkmal spielt nicht etwa in der Liga der Goethe oder Wagnerdenkmähler, nein, es misst an die neunzig Meter und um dessen Spitze zu erreichen, muss man gefühlte Hunderttausend Treppenstufen besteigen. Das war schweißtreibend, bot uns aber einen angemessenen Ausgleich mit dem Ausblick auf ganz Leipzig.

So wie die alltägliche Versorgungstour im Bahnhof, der gleichzeitig als Shoppingcenter fungierte, oder in einem anderen der allgegenwärtigen Kaufhäuser abgehakt war, ging es zur Runden Ecke, dem ehemaligen Sitz der Staatssicherheit in Leipzig. Bei gefühlten 40° C (Man, das war schon ein Tag der Extreme, wenn man schaut, was heute noch alles kommt.) führte uns ein Fachkundiger durch den Sitz und kam mit einigen Anekdoten (Vorsicht! Wortspiel) um die Ecke. Haha.

Beim Abendessen teilte uns Herr Dennhardt mit, dass es einen Jahrmarkt gäbe, den wir alle besuchen könnten. Die wenigen traurigen Menschen, die nicht mitgekommen waren, verpassten den wohl komischsten Abend der ganzen Fahrt. Nachdem wir wieder mit der Bahn gefahren waren, zog die Klasse minus X die Blicke der ortsansässigen Ostdeutschen auf sich, indem sie auf dem Weg zum Jahrmarkt einen bekannten Schlager durch die Nacht brüllte. Es folgten unter anderem Achterbahn- und Autoscooterfahren mit Beamten. (Warnhinweis! Fahren Sie niemals mit oder gegen Frau Schlesiger Autoscooter; durch offensichtliche geschickte Handhabung bezwingt sie Mensch und Maschine.)

An diesem Abend verschob sich die Kontrolle der Mädchenzimmer um 1,5 Stunden, weil Frau Schlesiger, nachdem sie sich nach der Rückkehr auf ihr Bett gesetzte hatte, sofort eingeschlafen war.

Donnerstag.

Der Donnerstag versprach viel: Noch im Morgengrauen (10:30) marschierten wir alle in den Zoo und verbrachten dort einige schöne Stunden. Vom Jahre 89 noch nicht genug verfolgt, gingen wir abends alle auf das Lichtfest, eine Veranstaltung zum Gedenken an die friedliche Revolution in Leipzig, an der ca. 200000 andere Menschen teilnahmen, unter anderem Präsident Gauck und viele weitere wichtige, aber dennoch fremde Gesichter. Viele Hauswände wurden dabei mit Lichtprojektionen versehen und einige wenige Menschen störte das ungemein; nämlich diejenigen, die brüllten: „89 war eine Lüge. Wo sind die Volksentscheide? Ich will die DDR zurück!“ Ganz kapitalistisch verzog sich die Klasse in den Bahnhof und kaufte für den letzten Tag ein.

Freitag.

Den letzten Tag verbrachten wir auf sehr unterschiedliche Weisen, hauptsächlich aber mit der mentalen Vorbereitung auf die zweistündige Rückfahrt.

Wir drehten noch einmal voll auf, brachten gute Stimmung in den sonst so tristen Zug und erfreuten damit auch eine sich vor uns befindliche Gruppe von Mitte-40erinnen. Eine Musik-Box brachte uns den nötigen Krach, der durch live-Akustik-Gitarren-Klänge untermalt wurde. Das lenkte auch davon ab, dass uns unsere Aufsichtspersonen unseren großen Ball entzogen haben, der am Mittwoch auf dem Jahrmarkt zu uns fand und mit dem wir im Zug Volleyball gespielt hatten.

(Ein letzter Dank gilt dem Organisator, Herrn Dennhardt, für eine vor allem interessante Fahrt und Frau Schlesiger für die Begleitung.)



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